Was ist
Gesundheits
kompetenz?

Gesundheitskompetenz geht uns alle an: Als gesundheitskompetente Personen sind wir in der Lage, im Alltag Entscheidungen zu treffen, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken. Gesundheitskompetente Organisationen (z. B. Spitäler, Arztpraxen, Spitex-Organisationen) unterstützen uns dabei, bei Gesundheitsfragen informiert und selbstbestimmt zu handeln und uns im Gesundheitssystem zurechtzufinden.

Je besser wir informiert sind, desto besser können wir entscheiden. Dies gilt für alle Lebensbereiche, aber auch dann, wenn es um Gesundheit und Lebensstil geht. Ob zu Hause, am Arbeitsplatz, in der Freizeit, im Gesundheitssystem:

In allen Lebensbereichen gilt: wer gut informiert ist, kann besser entscheiden.

Wer kompetent Entscheidungen trifft, kann aktiv die eigene Gesundheit erhalten oder verbessern oder auch mit bestehenden Krankheiten besser umgehen. Dies betrifft gesunde Ernährung genauso wie ausreichende Bewegung, verantwortungsvollen Umgang mit Medikamenten oder das Wissen um Therapiemöglichkeiten.

Was ist mit Gesundheitskompetenz gemeint?

Gesundheitskompetenz bedeutet die Fähigkeit, die wesentlichen Informationen zu finden, zu verstehen und zu nutzen, um im Alltag Entscheidungen treffen zu können, die sich positiv auf unsere Gesundheit auswirken.

Eine in Europa weit verbreitete Definition stammt von Kristine Sørensen aus dem Jahr 2012. Ihr zufolge basiert Gesundheitskompetenz auf allgemeiner Bildungskompetenz und umfasst das Wissen, die Motivation und die Kompetenzen von Menschen, relevante Gesundheitsinformationen in unterschiedlicher Form zu finden, zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden. So können im Alltag bei Krankheitsbewältigung, Krankheitsprävention und Gesundheitsförderung Urteile gefällt und Entscheidungen getroffen werden, welche die Lebensqualität während des gesamten Lebensverlaufs erhalten oder verbessern.

Kompetent handeln trotz Informationsflut

Allerdings ist es nicht einfach, sich im Informationsdschungel zurechtzufinden und bewusste Entscheidungen zu treffen. Gerade das Internet liefert eine Unmenge an Informationen unterschiedlichster Qualität. Man benötigt die Fähigkeit, Informationen zu finden, zu bewerten, zu verstehen und kritisch zu hinterfragen. Denn manchmal widersprechen sich Hinweise auch. Zudem lässt der rasante medizinische Fortschritt Empfehlungen und Therapien schnell veralten. Im Austausch mit Fachpersonen muss man eigene Fragen und Zweifel formulieren können. Sonst verlässt man die Arztpraxis mit mehr Fragen als Antworten. Oftmals muss man sich in sehr kurzer Zeit das nötige Wissen aneignen, sich eine eigene Meinung bilden und komplexe Entscheidungen treffen.

Es kommt nicht nur auf die persönlichen Fähigkeiten an...

Es geht um das Zusammenspiel von Individuen, Organisation und Situation.

Ein Beispiel: Sind Gesundheitsinformationen schwer verständlich formuliert, benötigt man beim Lesen andere Fähigkeiten als bei einem einfachen Text. Bei der Gesundheitskompetenz kommt es also einerseits auf die Fähigkeiten von Einzelpersonen an. Andererseits sollten Informationen auch so vermittelt werden, dass sämtliche Bevölkerungsgruppen sie gut verstehen können. Eine Meinung bilden und gute Entscheidungen treffen – das können wir nur, wenn wir verständliche, vertrauenswürdige und nachvollziehbare Informationen zu einem Thema haben. Hier spielen Fachpersonen wie Ärzte oder Pflegende und die Gesundheitsinstitutionen (z. B. Spitäler) eine zentrale Rolle. Sie können wichtige Gesundheitsinformationen leicht zugänglich machen, patientenorientiert kommunizieren. Oder sie können Wege aufzeigen, wie chronisch Kranke besser mit ihrer Erkrankung umgehen können. Je höher die Gesundheitskompetenz von Organisationen und Fachpersonen, desto besser unterstützen sie ihre Patientinnen und Klienten dabei, selbstständig zu handeln und zu entscheiden.

Weiterführende Literatur

Brach, C., Keller, D., Hernandez, L. M., Baur, C., Dreyer, B., Schyve, P., ... Schillinger, D. (2012). Ten attributes of health literate health care organizations. Discussion Paper. Washington, DC: Institute of Medicine of the National Academies.

Kickbusch, I., Maag, D., & Saan, H. (2005). Enabling healthy choices in modern health societies. Background paper for Parallel Forum F6. Bad Gastein.

Kickbusch, I., Pelikan, J. M., Haslbeck, J., Apfel, F., & Tsouros, A. D. (Hrsg.) (2016). Gesundheitskompetenz: Die Fakten. Health Literacy: The Solid Facts. Zürich.

Parker, R. M. (2009). What? So what? Now what? In Institute of Medicine (Hrsg.), Measures of Health Literacy: Workshop Summary. 91–98. Washington, D.C.: The National Academies Press.

Sørensen, K., van den Broucke, S., Fullam, J., Doyle, G., Pelikan, J., Slonska, Z., & Brand, H. (2012). Health literacy and public health: A systematic review and integration of definitions and models. BMC Public Health, 12(1), 80, 1053–1058.

Weiterführende Literatur und Links finden Sie hier.